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Porzellan

Wenn es noch kein Porzellan gäbe, müsste man es erfinden. Denn ein Material, das nicht nur abriebfest und unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen ist, von Säuren, Laugen oder Hitze nicht angegriffen wird, sich auch ansonsten belastbar und einigermaßen stoßfest zeigt, einen schönen Klang hat, Wärme hält und noch dazu schön aussieht, scheint vorgesehen für den Einsatz auf einer reich gedeckten Tafel - als Teller, Tassen, Servierplatten, Kannen oder Kännchen.

Und tatsächlich mußte Porzellan in Europa erst noch erfunden werden, obwohl es seit Jahrhunderten genutzt wurde. Denn die Herstellungsweise war den Europäern unbekannt. Porzellan wurde aufwendig aus China importiert. Namensgeber des Porzellans war übrigens der damalige Irrglaube, Porzellan würde aus den weiß-glänzenden Schalen der Kaurischnecken (italienisch „porzellana“) hergestellt.

Dabei ist das Herstellungsverfahren im Grunde gar nicht kompliziert und die Zutaten sind auch vielerorts verfügbar: Porzellan besteht aus dem „Gestein des Jahres 2013“ Kaolin, auch „Passauer Erde“ genannt, sowie den häufig vorkommenden Mineralien Feldspat und Quarz. Porzellan wird bei Temperaturen über 1000 Grad gebrannt.

Das herauszufinden, haben viele versucht, nach dem Marco Polo und andere Reisende Porzellan ab dem 13. Jahrhundert aus China nach Europa mitbrachten. Gelungen ist es dem jungen Apotheker-Gehilfe Johann Friedrich Böttger zusammen mit Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und Abraham von Schönberg, nachdem er zuvor an der Herstellung von Gold scheiterte. Chinas Monopol war gebrochen. Es entstand im Jahr 1709 in Meißen die erste Porzellan-Manufaktur Europas, die bis heute mit großem Bekanntheitsgrad Porzellan fertigt.

Europaweit folgten nun weitere Manufakturen, die teilweise auch heute noch große Namen tragen und hier nicht vollständig aufgeführt werden können:
  • 1710: Porzellan-Manufaktur Meissen (Meißner Porzellan), vormals Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellan-Manufaktur, später Königlich-Sächsische Porzellan-Manufaktur Meissen
  • 1718: Wiener Porzellanmanufaktur („Kaiserlich privilegierte Porcellain Fabrique“), zweitälteste Porzellanmanufaktur Europas, bestand bis 1864
  • 1746: Höchster Porzellanmanufaktur („Kurfürstlich mainzische Porzellanmanufaktur“) in Frankfurt-Höchst
  • 1747: Porzellanmanufaktur Fürstenberg (Fürstenberg in Niedersachsen)
  • 1747: Porzellanmanufaktur Nymphenburg (München)
  • 1762: Aelteste Volkstedter Porzellanmanufaktur (Thüringen)
  • 1763: Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin („KPM“)
  • 1775: Royal Copenhagen, auch Königlich Kopenhagen, bekannt durch das Tafelservice „Flora Danica“ und „Musselmalet“ (dänisch wörtlich „muschelgemalt“, ein traditionelles Indisch Blau Dekor)
  • 1822: Porzellanfabrik C.M. Hutschenreuther in Hohenberg an der Eger, sowie sein Sohn 1857 Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther in Selb
Herstellung von Porzellan ist die eine Sache - das Aufbringen von Dekoren das andere. Denn nach dem Bemalen erfolgt die Aufbringung der Glasur, die einen weiteren Brand, den sogenannten Glattbrand erfordert, wodurch sich die Farben verändern und auch das Material schrumpft. Die hohen Temperaturen halten nur wenige Farben aus. In der Anfangszeit war lediglich die kobaltblaue Farbe bekannt. Zwischen 1714 und 1718 folgten fünf weitere sogenannte „Aufglasurfarben“ die durch ein zusätzlichen Brand, dem Farbbrand, abriebfest mit der Glasur verbunden werden. Bis etwa 1731 folgten unter dem Porzellanmaler Johann Gregorius Höroldt viele weitere Farben. So konnte aus der ursprünglichen Blaumalerei eine bunte Aufglasurmalerei entstehen. Viele Porzellanmaler wurden und werden als Künstler verehrt.

» [ Der Wert von altem Meißner Porzellan ]